Liebe Leserin, Lieber Leser,

Ohne Liebe geht es wohl nicht. Aber Liebe in Romanen kann manchmal ganz schön triefig daherkommen. Eine der größten Herausforderungen beim Schreiben ist in meinen Augen das Ausloten zwischen Kitsch und Gefühl. Wie tief kann ich in die Emotion meiner Figuren hineingehen, wie verliebt, verzweifelt, traurig, leidenschaftlich lässt sie sich zeichnen - ohne dabei in Kitsch abzudriften? Eine eher nüchterne Sprache hilft meiner Ansicht nach - und vor allem das Vermeiden von allzu naheliegenden, gebräuchlichen Begriffen. Lieber beschreibe ich, wie die Figur körperlich reagiert, als meinen Lesern mit Worten wie "Liebe" und "Schmerz" oder "Trauer" quasi um die Ohren zu hauen, was meine Charaktere jetzt gefälligst fühlen sollen.
Ein ähnlicher Drahtseilakt beim Schreiben ist übrigens der "Geschlechtsverkehr". Schnell sind da Platitüden zur Hand, bzw von dieser in die Tastatur getippt. Manchmal hilft Auslassung (- wenn es auch nicht gerade der amerikanische Film-Schwenk auf den Kamin sein muss). Manchmal ist aber die Art und Weise, wie geliebt oder wahlweise auch gevögelt wird, sehr wichtig für die Entwicklung meiner Figur. Auch hier beschreibe ich eher das Gefühl von Haut auf Haut als den Akt an sich.
Besonderen Spaß macht es, wenn meine Charaktere Gefühle vorher noch nie so empfunden haben, sie mit erst entdecken und eine eigene Sprache dafür finden müssen (d.h. ich für sie finden muss).

Viel Liebe und wenig Platitüden wünscht Ihnen Mila Lippke