Liebe Leserin, Lieber Leser,

Als Kind wurde ich stark durch die Bücher geprägt, die ich las. Und ich las ständig. Mein Mekka war die örtliche Stadtbücherei, genauer gesagt der Keller, in den ich pilgerte, um mir die magischen Gegenstände zu besorgen, die mich in fremde Welten entführten: Bücher. Ich las fast alles, was in den Regalen zu finden war. Anspruchsvolles und Mist. Was ich damals nicht gelesen, sondern erst dreißig Jahre später entdeckt habe, ist „The Secret Garden“ von Frances Hodgson Burnett. B. ist die Autorin von „Little Lord Fauntleroy“. (Sie wissen schon, die Vorlage für den verfilmten Weihnachtsklassiker.) 1911 veröffentlichte sie die wundervolle Geschichte über ein einsames, unglückliches Mädchen, das nach England aufs Land geschickt wird, wo sie einen geheimen Garten entdeckt und auf einen ebenso ungeliebten, ebenso unsympathischen Jungen trifft. Gemeinsam mit einem weiteren Kind erleben sie die Magie in der Natur um sie herum. Aus beiden Kindern werden mit liebevoller Unterstützung liebesfähige Menschen. (Und das in einer Zeit, in der Prügel zur Erziehung selbstverständlich dazu gehörten. Übrigens: Eltern durften ihre Kinder bei uns auch noch bis ins Jahr 2000 züchtigen.)
Mein Lieblingszitat aus dem Roman:
„Magic is always pushing and drawing and making things out of nothing.“
Ach, hätte ich doch dieses Buch mit neun Jahren gelesen, wie sehr hätte es mich dazu inspirieren können, meine Kreativität beizubehalten und weiterzuentwicklen. Stattdessen wich jeder kreative Ansatz im Lauf der Pubertät erst einmal dem deutschen, erdrückenden Bild vom Künstler als Genie. Dabei ist es doch so einfach. Kreativität heißt im geheimen Garten: „... making things out of nothing.“
Wie schön.

Frances Hodgson Burnett: The Secret Garden.
Mit einem grandios gestalteten Cover bei meinem Lieblingsverlag Penguin Cover Burnett