Liebe Leserin, Lieber Leser,

Mein schönstes Weihnachtsgeschenk habe ich schon erhalten. An einem Nachmittag kurz vor dem 1. Dezember kam mein Sohn vollkommen aufgeregt aus der Schule nach Hause, verlangte lautstark Brötchentüten, holte sich den Wäscheklammerbeutel und spannte ein Springseil quer durchs Kinderzimmer. Lange bastelte er an Füllungen für den selbst gemachten Adventskalender. Ganz nervös wartete er auf den großen Tag, an dem ich endlich eine der Tüten aufmachen durfte. Viel nervöser noch als auf das Öffnen seines Kalenders. Jeden Morgen bekomme ich nun ein Päckchen. Mal ist es ein aus Papier gefalteter Nikolaus, mal eine Kerze, die er von seinem Taschengeld gekauft hat, mal ein Weihnachtsstern aus Pfeifenreinigern.
In letzter Zeit war unser Verhältnis oft angespannt, beinahe täglich haben wir uns gezankt, weil er für die Schule üben muss und den Sinn natürlich gar nicht einsieht. Umso mehr überrascht mich die liebevolle Großzügigkeit des Kindes. Und ich finde, dass nichts den Geist von Weihnachten mehr ausdrückt als diese Aktion: Etwas für andere zu machen und sich über deren Freude selber irrsinnig zu freuen.
Jetzt durchstehe ich die nächste Zankerei auch hoffentlich wieder etwas lockerer.