Liebe Leserin, Lieber Leser,

Gestern war ich Hollywood-Star. Also fast. Zumindest so ein ganz kleines Bisschen. Streng genommen fand der Dreh nicht in Los Angeles sondern im Garten meiner Eltern statt, aber ich war dabei garantiert aufgeregter als Scarlett Johansson, Kate Winslet & Angelina Jolie zusammen. Es versteht sich im Grunde von selbst, dass ich ausgerechnet am Tag vorher einen fiesen Pickel im Gesicht bekam. Zum Glück gibt's Schminke. Anstelle eines Spielfilms wurde Material für einen Buchtrailer für „Morgen bist du noch da“ gedreht. Gefühlte einundsechzig Mal musste ich jeden meiner Texte aufsagen und dabei in das schwarze Auge der Kamera blicken. Und das alles möglichst natürlich. „Geht’s nicht was freundlicher?“, fragte der Kameramann immer wieder. „Jetzt lach doch mal nicht so verkrampft!“ Haha! „Und jetzt mit weniger Pathos, ja?“ Ich weiß schon, warum ich als Autorin fürs Fernsehen lieber hinter den Kulissen arbeite. Aber das war ja nicht das Schlimmste an der ganzen Sache. Am Gruseligsten faind ich es nachher mein Gesicht und meine Stimme auf dem Monitor zu betrachten. Hab ich wirklich so viele Falten? Red ich immer mit so komisch heruntergezogenen Mundwinkeln?
Ich seh mich ja sonst nicht derart intensiv und mit Draufblick.
Definitiv: Der Job einer Schauspielerin wäre nichts, aber auch gar nichts für mich. Zum einen bin ich viel zu ungeduldig und würde dieses ewige Warten auf den nächsten "Take" gar nicht aushalten. Zum anderen fände ich es nicht sehr witzig, mich in Spielfilmlänge auf einem Bildschirm anschauen zu müssen. Es soll ein paar wenige Schauspieler geben, die ihre Filme keinesfalls ansehen. Kann ich gut verstehen. Mir bleibt leider nichts anderes übrig, denn das Drehmaterial muss ja noch zusammen geschnitten werden. Und das erledigt kein Steven Spielberg für mich. Wahrscheinlich werde ich mich mit Sonnenbrille neben den Cutter an den Schneidetisch setzen! Dann kann ich mich auf diese Art ein bisschen Star-mäßig fühlen.