Liebe Leserin, Lieber Leser,

Wenn Sie sich den Schreibprozess eines Romans von der Idee bis zum fertigen Buch als einen besonders vergeistigten Akt vorstellen, dann irren Sie leider. Ein Buch zu schreiben ist wie aus einem Haufen dreckiger Klamotten sauber gefaltete Wäschestapel im Schrank zu machen. Komischer Vergleich? Keineswegs. Der Anfang ist für mich immer einfach. Ich nehme die ganzen Ideen-Klamotten und sortiere sie erst einmal, ob auch nichts dabei ist, was nachher einläuft. Ein wichtiger Arbeitsschritt. Eine Jeans sollte nicht mit einem Seidentuch gewaschen werden. In einen Krimi gehören daher keine ausufernden Liebesgeschichten und umgekehrt. Die Zusammensetzung muss stimmen. Ich packe sie dann in die Waschmaschine meines Hirns, wo die Stücke ordentlich durcheinander gewirbelt werden, und brauche beinahe nur zuzugucken.
Es geht fast von selbst und ich kann auch noch entspannt einen Milchkaffee dabei trinken. Im schlechtesten Fall ist nachher aber etwas verfärbt und ich muss noch mal ran. Alles wieder von vorn. Oder die Socken haben sich mit den BHs verwurschtelt, sprich die Ideen sind alle zu verworren. Wieder ein Haufen Arbeit.
Anschließend: Auffhängen, mühsam! Dann: Trocknen lassen. Die Zeit muss sein, sonst muffelt die Geschichte nachher ziemlich. Meist bleibt sie allerdings zu lange hängen, weil ich mit tausend anderen Sachen beschäftigt bin. Endlich: Abhängen, Falten. Das Manuskript ist in der ersten Fassung fertig.
Bügeln? Ich doch nicht. Lieber alles stehen lassen, bis ich dazu komme, die Klamotten in den Schrank zu quetschen. Mein Agent und mein Verlag wollen nun aber, dass sich der Roman feinsäuberlich gefaltet in das Genre-Regalfach einräumen lässt. Dafür muss ich ihn glattbügeln. Oh. Mein. Gott. Will ich das? Passt ein etwas angeknittertes T-Shirt nicht viel besser zu mir als eine aalglatte Bluse? Aber wer will die Knitterware nachher anziehen?
Kein Wunder dass ich bei so viel Schreibarbeit nun wirklich nicht mehr zum Waschen komme.