Liebe Leserin, Lieber Leser,

Meine vierjährige Tochter liebt es, sich neben mich zu legen, ein Buch aufzuschlagen und mir daraus etwas „vorzulesen“. Sie erfindet ihre eigenen Geschichten, die Medleys aus den Geschichten sind, die wir ihr vorlesen (Pippi Langstrumpf, Josefine, Wir Kinder aus Bullerbü, Der kleine Drache Kokosnuss und viele andere mehr). Fanfiction sozusagen. Zugegebenermaßen fehlt ihren Storys noch ein wenig der dramturgische Aufbau und es mangelt ziemlich am logisch nachvollziehbaren Plot, aber letztendlich ist das, was sie tut, dasselbe was alle Schriftsteller und Schriftstellerinnen tun: Man nimmt altbewährte Story-Elemente und mixt sie mit der eigenen Persönlichkeit zu etwas völlig Neuem, Einzigartigem.
Ich bin sowieso fest davon überzeugt, dass man fünf Autoren ein und dieselbe Idee als Thema geben kann und trotzdem kommen fünf völlig verschiedene Bücher dabei heraus.
Nehmen Sie nur das Meta-Thema: „Kommissar klärt Mord an Prostituierter auf“. Wie viele Krimis behandeln genau diese Geschichte?
Der eine schreibt hauptsächlich über die mangelnde Digestion beim alternden Kommissar, eine konzentriert sich auf die Prostituierte, eine andere Person verlegt den Mord in die viktorianische Gesellschaft, wieder ein Autor erzählt einen Serienmörder, eine andere macht aus dem Kommissar einen Vampir und und und.
Witzigerweise ist mir die Idee zu meinem ganz neuen Roman, an dem ich gerade schreibe, als etwas völlig Neues erschienen, dann aber merkte ich, dass es bereits einige, teilweise Jahrhunderte alte Vorläufer dafür gibt.
Trotzdem wird es am Ende ein ganz eigenständiges Buch sein.
Mein Buch.