Liebe Leserin, Lieber Leser,

Eigentlich bin ich die un-abergläubischste Person auf der Welt. Zumindest seit ich im Studium für eine TV-Horoskopsendung gearbeitet und die Horoskope selber verfasst habe. Selbstverständlich kam mein Sternzeichen immer am Besten weg, aber das nur am Rande. Trotzdem glaube ich an Zufälle, die nicht ganz so zufällig passieren können. Das sind kleine Winzigkeiten wie gestern, als ich in der Universitätsbibliothek ein Buch aus dem Regal nahm. Im Freihandbereich stehen die Bücher nicht nach Themen geordnet sondern wild durcheinander. Eigentlich wollte ich was über Vladimir Nabokov ausleihen, doch dann fiel mir ein Buch über Saartje Bartman - bekannt als die „Hottentotten-Venus“. Sie war eine Frau aus Südafrika, die im 19. Jahrhundert nach Europa verschleppt und ihres großen Hinterteils und ausgeprägter Schamlippen wegen auf Bühnen ausgestellt wurde. Es war die fürchterliche Zeit der Menschenzoos. Die weißen Europäer gafften die Afrikanerin erschreckt und lüstern an, die bis ins 20. Jahrhundert hinein als Beispiel für die angeblich animalische weibliche Sexualität galt.

Warum mir das Buch so einen Stich versetzte?
Weil ich in meinem neuen Roman „Morgen bist du noch da“ auf die „Hottentotten-Venus“ zu sprechen komme, auf weibliche Sexualität und ihre Zurschaustellung. Meine Hauptfigur, eine Künstlerin, lässt sich von dieser geschichtlichen Gestalt zu ihren Kunstwerken inspirieren. Und weil ich dieses eine Buch noch nicht kannte, war ich ganz aufgeregt durch „Zufall“ darüber zu stolpern. Jetzt lese ich es gerade. Clifton Crais & Pamela Scully: Sara Baartman and the Hottentot Venus. A ghost story and a biography.
Ein wichtiges Stück Kolonialgeschichte wird darin aufgearbeitet, und die unbekannten, scheinbar unwichtigen Menschen werden nicht außer Acht gelassen.