Liebe Leserin, Lieber Leser,

In meinem Roman „Irgendwie mein Leben“ arbeitet meine Heldin Mara für ein TV-Format, das „Deutschlands schlimmste Mütter“ heißt und Frauen bloßstellt, deren einzige Perspektive im Leben das Kinderkriegen ist. Mara baut zunächst einen riesigen Hass auf die Frauen auf, die das haben, was ihr durch Finjas Tod verwehrt wurde. Erst später merkt sie, wie sie selbst die unfähigen Mütter instrumentalisiert, sie mit Hilfe der Kamera zu Monstern aufbaut und ihnen keine menschliche Seite lässt. Einige LeserInnen, die mit den Untiefen des deutschen Fernsehens nicht so bewandert sind, fragten mich, ob die Darstellung der Medienwelt nicht etwas überzogen sei. Nein. Ist sie nicht. Und jetzt gibt es diese Serie wirklich. Auf dem Seriös-Sender RTL II.
Ihr realer Titel: „Teenie-Mütter. Wenn Kinder Kinder kriegen.“

Spiegel Online schreibt einen Kommentar dazu, den ich nur zu treffend finde:
„Es mag auf den ersten Blick richtig erscheinen, dass RTL II die eigene Klientel auf die Schwierigkeiten hinweist, die das Kinderkriegen mit sich bringt. Wie sich aber die Filmemacher in "Teenie-Mütter" an den Unzulänglichkeiten ihrer Protagonistin Virginie weiden, wie sie die Folgen ihrer Selbstsucht und Unreife anhand ihres Sohnes ausstellen, das führt tatsächlich in eine neue Dimension des Demütigungs-TV.“

Das wirklich Tragische liegt doch schon im Namen der Anti-Heldin, "Virginie", die Jungfräuliche. Ein Name mit eskapistischem Klang, der den frühen Wunsch der Mutter ausdrückt, dass ihre Tochter mal etwas ganz anderes werden sollte. Verdammt traurig.

Lesen Sie selbst:
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,760051,00.html