Liebe Leserin, Lieber Leser,

ach, was habe ich vor vielen Jahren meine Oma bedauert, für die Computer immer eine weit entfernte, fremde Welt bedeuteten. Zwischen ihr und mir lag eine gefühlte Steinzeit und ich konnte mir nicht vorstellen, einmal in eine ähnliche Lage zu geraten, schließlich war ich ganz nah am Puls des Lebens & hatte als Erste ein Handy. Ja, das war etwas Besonderes. Ich habe mir noch Geschichten ausgedacht, in denen die Menschen zum Telefonieren in eine Telefonzelle laufen mussten. Nun ist aber auch das viele Jahre her. Und ich stelle fest, dass mich die neusten technischen Entwicklungen ungefähr so staunen lassen wie die Eisenbahn Leute im neunzehnten Jahrhundert. Okay, ich neige zur Übertreibung. Ich schaue aber wirklich voller Ungläubigkeit auf das Kommunikationsverhalten meiner Kollegen. Soziale Kontakte laufen über Facebook; Nachrichten gehen automatisch an alle „Freunde“. Zu dumm, wenn man vergisst, dass zu den Freunden auch der Chef gehört – und wenn man dann über die Arbeit ablästert. „Freunde“ können auf kluge Postings wie „koche gerade Nudeln“ mit „Hm, lecker!“ antworten - oder einfach nur mit einem Daumen hoch, der besagt „Gefällt mir!“. Allerdings gibt es den Daumen hoch auch für Postings über Fukushima. „Gefällt mir!“ signalisieren dann diverse Facebook-User, z.B. bei der Gruppe „100.000 Gefällt mir für die armen Leute in Japan“. (Bislang gefällt dies 71.) Gut, „Gefällt mir“ heißt in dem Fall einfach nur sowas wie „Finde ich interessant“. Für eine Autorin liegen da aber trotzdem Kontinentalplatten zwischen. Noch seltsamer finde ich Neandertalerin, dass man Jemanden bei Facebook anstubsen kann, um mit ihm in Kontakt zu treten. Ich brauche nicht einmal mehr „hm, lecker“ schreiben, ich stubse elektronisch. Und die Person stubst zurück und dann stubse ich wieder und... Sinnfreie Kommunikation. Da schreibe ich lieber meine Notizen an Sie! Und ja, Sie dürfen mir per Mail antworten. Sie können mich gar nicht bei Facebook anstubsen...