Liebe Leserin, Lieber Leser,

In meiner Jugend liebte ich die Filme mit dem Teenie-Star Michael J. Fox, die mich zurück in die Zukunft brachten. Die Vorstellung, in eine andere Zeit zu reisen, um zu selbst zu erleben, wie es dort war oder sein wird, ist wohl immer wieder unsagbar faszinierend (und auch schrecklich, wenn ich an Japan denke...). Allerdings brauche ich heute keinen komplizierten Apparat wie den Fluxkompensator dazu, kein Auto und kein Portal. Ich muss bloß auf den Spielplatz um die Ecke gehen, wo sich bei halbwegs passablem Wetter die Jugendlichen des Viertels treffen. Heute saß ein Mädchen auf der Bank und las. Beeindruckt davon, dass die Facebook-Generation tatsächlich zu einem schnöden Buch aus Papier greift, schlich ich mich näher und entzifferte den Titel - „Im Chat war er noch süß“. Wenige Minuten später telefonierte das Mädchen mit ihrer Freundin und las ihr Ausschnitte aus einer offenbar verletzenden E-Mail vor, die ein Junge ihr geschickt hatte. Ihre Tränen waren vom Kajal schwarz gefärbt. Ende des neunzehnten und Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts hießen die Titel (von Hedwig Courths-Mahler) noch „Durch Leid zum Glück“ und „Sie hatten einander so lieb“.
Aber wahrscheinlich lässt sich sagen, dass ganz egal welche technischen Gadgets erfunden werden mögen, die Zukunft emotional nicht wesentlich anders sein wird als die Gegenwart.