Liebe Leserin, Lieber Leser,

die Welt explodiert und hier läuft alles weiter seinen gewohnten Gang. Da steht auf einer Internetseite die Nachricht, dass in Japan radioaktive Partikel in die Luft aufsteigen, und direkt daneben präsentiert sich eine Werbung mit einem jungen Mann in der Badwanne, von dessen Schaumbad Seifenblasen aufsteigen. So absurd. So real. Jeden Morgen schalte ich als Erstes meinen Computer an, um zu sehen, was in Japan weiter passiert. Der Gedanke an die Atom-Katastrophe ist ständig präsent, trotzdem bewältige ich meine Verpflichtungen, scherze mit meinen Kindern, gehe zur Arbeit, kaufe ein... Ich funktioniere. Dabei komme ich mir immer wieder wie die Zuschauerin in einem Kinosaal vor, die einen seltsam langweilig-beruhigenden Alltags-Streifen betrachtet, von dem sie weiß, dass er nicht die Realität abbildet. Klar, ich lache, ich ärgere mich, alles wie gehabt, aber ich denke gleich auch wieder daran, dass jetzt eine Familie wie meine in Tokio hockt und darauf wartet, dass sie radioaktiv verseucht wird. In solchen Zeiten ist die Realität so viel mächtiger, so viel bestimmender als die Fantasie. Ich kann jetzt einfach nicht weiter an meinem Buch schreiben, weil mir das, was meinen Figuren zustößt, im Augenblick lächerlich marginal erscheint. Ja, ich glaube, dass das, was gerade in Japan passiert, die Welt verändern wird. Ich hoffe nur inständig, dass es auf lange Sicht eine Veränderung zum Besseren sein kann.
Schaltet die AKWs endlich ab. Nicht nur bis nur nächsten Wahl. Für immer!