Liebe Leserin, Lieber Leser,

habe ich Ihnen schon von meinem Onkel Willi erzählt, der Flohmarkthändler in Brüssel war? Wenn wir seinem kleinen gelben Haus einen unserer Wochenendbesuche abstatteten, erwarteten uns die wundersamsten Gegenstände: Eine kopflose Schneiderpuppe, die mit schwarzem, aufgeplatztem Samt bezogen war, aus dessen Löchern die Füllung quoll. Unter einem dampfenden Kupferboiler stand eine Badewanne auf Tatzen mit gefährlich gespreizten Krallen, und darüber hing ein gold gerahmtes Bild, auf dem Feenartige Wesen einen Reigen tanzten. Eine winzige Glasflasche in Form eines Elefanten mit einem ganz kleinen Korken im Rüssel war in einem Setzkasten neben künstlichen Augen platziert, die einmal einer Porzellanpuppe ihren Blick geschenkt hatten.
Besonders faszinierten mich damals aber die gläsernen Briefbeschwerern mit ihren seltsamen bunten Blumen im Inneren, die ich für Zauberkugeln hielt. Etwas von der Magie des Hauses färbte bei jedem Besuch auch auf mich ab.
Ich erinnere mich, wie ich mit vier Jahren die Straße vor dem Häuschen auf und ab lief, in ein weißes Nachthemd gekleidet und mit Pappflügeln auf dem Rücken. Ich war felsenfest davon überzeugt, dass ich jeden Moment abheben und fliegen können würde.
Noch immer wird meine Fantasie von Wunderdingen in Schwung gebracht. So kaufe ich für mein Leben gern alte Schlüssel auf dem Flohmarkt in Tongeren und stelle mir die dazugehörigen Türen vor - und die Geheimnisse, die sie verbergen.

Unter Autorin bzw. Fotoalbum erhalten Sie übrigens einen kleinen Einblick in meinen Schreiballtag und lernen meine bis heute andauernde Leidenschaft für magisch-kuriosen Schnickschnack kennen...