Liebe Leserin, Lieber Leser,

es war einmal vor langer, langer Zeit, da wurde die Losung ausgerufen: Das Private ist politisch. Heute könnte man sagen, das stimmt immer noch, aber vor allem ist das Private im Internet vollkommen öffentlich und belanglos geworden. Bevor Sie sich jetzt angegriffen fühlen: Ich habe ja überhaupt nichts dagegen, wenn Jemand für seine Familie und Freunde eine Homepage mit persönlichen Geschichten und Fotos erstellt. Aber wenn ich Neuigkeiten über einen Thriller-Bestsellerautoren erfahren möchte und mich erst einmal durch lauter Schilderungen des Babyschwimmkurses, den seine Frau mit der Tochter macht, kämpfen muss, bis ich eine Zeile zum neuen Roman finde, dann empfinde ich das (Pardon, das muss ich mal loswerden) als informativen Dünnpfiff. Manche Schriftsteller posten bei Facebook und Konsorten die uninteressantesten Details ihres Lebens mit einer mir unbegreiflichen Schamlosigkeit. Es mag ja vielleicht tatsächlich Leser geben, die es als wahnsinnig gesellschaftsumwälzend erachten, dass der Autor seinen neuen Wagen in die Werkstatt gebracht hat. Aber ich bin einfach nicht so egomanisch gestrickt, dass ich glaube, Sie wollen wirklich wissen, dass ich heute einen braunen Reißverschluss für das Kostüm meines Sohnes gekauft habe und außerdem in der Bibliothek Geld für überzogene Ausleihen zahlen musste. (Übrigens habe ich früher solch spannende Details wie „Spagetti mit Sauce gegessen“ für dermaßen erhaltenswert für die Nachwelt gehalten, dass ich sie meinem Tagebuch anvertraut habe. Aber da war ich auch erst zwölf.) Falls Sie das langweilige Leben einer Nicht-Bestsellerautorin doch brennend interessiert, dann lassen Sie es mich wissen: Ich werde mir dann in Zukunft keine Gedanken mehr über diese Notizen an Sie machen, sondern einfach drauf lostippen.
So, jetzt gehe ich aber meine Kinder aus dem Kindergarten abholen, davor muss ich eine Zeitung am Kiosk kaufen und dann wollte ich... Hallooo!? Sind Sie noch da oder längst eingeschlafen?