Liebe Leserin, Lieber Leser,

nun habe ich die Anmerkungen meiner Lektorin zu meinem neuen Buch erhalten. Auch wenn es schon der sechste Roman ist, den ich bislang geschrieben habe, kann ich nicht behaupten, dass es dieses Mal wesentlich leichter wäre, mit der Kritik konstruktiv umzugehen. Dabei ist meine Lektorin wirklich, wirklich nett und gibt mir immer ganz viel positives Feedback. Aber ihr Job ist und bleibt es, die Schwachstellen meines Manuskripts herauszufinden und den Finger in die Wunde zu legen. Ich gestehe: Am Liebsten würde ich jedes Mal bloß hören, dass es bis auf ein Komma hier und eines da nichts zu verbessern gäbe. Schöner Traum. Nicht nur meine Lektorin, auch andere Probeleserinnen haben ähnliche Kritik geäußert.
Wenn ich dann ausgiebig die Wunden meines angeschlagenen Schriftsteller-Egos geleckt habe, lasse ich schließlich den Gedanken in meinem Hirn zu, dass vielleicht nicht etwas mit der Sichtweise der Probeleserinnen und meiner Lektorin nicht stimmt, sondern – Hilfe! – mit meinem Text... Und sobald ich mich mit dieser Option ausgiebig auseinander gesetzt habe, kriege ich sogar wieder Lust, Passagen umzuschreiben. Wie bei meinem neuen Roman. Ich schreibe gerade den Anfang komplett um. Aber bis ich soweit bin, tut es jedes Mal aufs Neue weh. Ich glaube, dass ist die größte Herausforderung für Schriftsteller: Immer wieder die Disziplin und die Motivation aufzubringen, Kritik anzunehmen, sich nicht entmutigen zu lassen und produktiv umzusetzen.