Liebe Leserin, Lieber Leser,

den Valentinstag halte ich ja persönlich für keine besonders feiernswerte Erfindung. Ich freue mich an jedem anderen Tag im Jahr tausendmal mehr über spontan mitgebrachte Blumen als über Zwangs-Sträuße, weil nun einmal der vierzehnte Februar ist. Ich möchte, dass an mich möglichst immer liebevoll gedacht wird. Doch weil ich soeben auf eine der schönsten literarischen Liebeserklärungen gestoßen bin, nehme ich dieses Datum zum Anlass, um Sie damit bekannt zu machen (falls Sie das Zitat nicht längst kennen, was vielleicht nicht erstaunlich wäre, denn ich fange gerade erst an, meine Lücken bezüglich der Weltliteratur zu füllen). Sie stammt aus „Great Expectations“ von Charles Dickens. Wer solch eine Liebeserklärung erhält, wird keine überteuerten Blumen mehr brauchen, finde ich. Hier also mein virtueller Rosenstrauß für Sie:
„And now, dear Biddy, if you can tell me that you will go through the world with me, you will surely make it a better world for me, and me a better man for it, and I will try hard to make it a better world for you.“
Pip kommt übrigens nicht dazu, die Sätze auszusprechen, denn Biddy hat just an diesem Tag ihre große Liebe geheiratet. Die imaginäre Liebeserklärung sagt für mich trotzdem alles darüber aus, was Liebe ist: Wir brauchen keinen Rosengarten zu versprechen. Wir können nur versprechen, hart zu ackern und zu pflanzen und zu gießen, um die Liebe immer wieder aufblühen zu lassen. So, und nun schreiben Sie diesen Spruch von mir aus auf ein Kärtchen an Ihren Liebsten oder Ihre Liebste, aber sparen Sie sich die Treibhausblumen und tun Sie damit gleich noch was Gutes für die Umwelt...

Zum Selberlesen: Charles Dickens: Great Expectations. P. 432. Penguin Popular Classics.
By the way: C.D. hatte am 7.2. den 199sten Geburtstag. Okay, er wird ihm wohl kaum gefeiert haben, dennoch liebe ich solche Daten!