Liebe Leserin, Lieber Leser,

in meinem neuen Roman, der im Winter nun endlich in meinem Verlag erscheinen wird, ist die Heldin eine Künstlerin. Beim Schreiben stand ich vor der nicht unerheblichen Herausforderung, ihre Kunstwerke mit meinen Worten visuell werden zu lassen, d.h. vor dem Auge des Lesers plastisch zu erschaffen. Und wie der Zufall manchmal so will, besuchte ich just in der Zeit eine Ausstellung im Düsseldorfer kunst palast. In der hellen Lichtkuppel der Eingangshalle befand ich mich auf einmal unter einer Installation des Künstlerpaars Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger, die mir unmittelbar meinen eigenen Schreibprozess vor Augen führte. „Das vegetative Nervensystem“, so der Name, ist eine seltsam verworrene und filigrane Konstruktion, die sich über mehrere Stockwerke zieht, geschaffen aus kahlen Ästen, Drähten, Plastikschnüren und Schnickschnack wie Puppenhände, Federn & Figürchen.
Auf der Stelle assoziierte ich meinen eigenen Schreibprozess mit diesem Kunstwerk, denn es begann mir bei genauerer Betrachtung tausend Geschichten zu erzählen und hörte gar nicht mehr damit auf.
Wenn ich schreibe, fange ich mit einer Idee an, sagen wir mal, um im Bild dieses Nervensystems zu bleiben, mit einem Ensemble von Geweih und künstlichem Taubenpärchen, die ich unter zu Hilfenahme von Details weiter verdichte. Und diese Idee führt mich wie an einem Ast entlang zur nächsten Idee und weiter und weiter. Hier flechte ich sozusagen ein paar künstliche Blätter ein, dort einen Knochen. Am Ende ist ein riesiges, weit verzweigtes Gebilde entstanden, mein Roman.

Wenn Sie sich dieses und andere märchenhafte, anregend verstörende Konstruktionen der Künstler ansehen wollen, dann besuchen Sie doch einmal www.steinerlenzlinger.ch. Und im Arp Museum Bahnhof Rolandseck gibt es ganz aktuelle eine Ausstellung der beiden: Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger: Hochwasser – Trink oh Herz vom Überfluss der Zeit! 6. Februar bis 14. August 2011