Liebe Leserin, Lieber Leser,

einen Dialog, den das Leben unlängst schrieb, möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Mutter: „Und wie war der Besuch der Kriminalpolizei im Kindergarten? Was habt ihr denn von der Spurensicherung gezeigt bekommen?“ Dem Satz wird noch ein pädagogisch aufmunterndes „Hmmm?“ angehängt. Sohn: „Wir haben gezeigt bekommen, wie man ein Auto aufbricht.“ Mutter: ?????????????????????????? Sohn: „Mit dem Schraubenzieher.“ Mutter bricht in hysterisch-verzweifeltes Gelächter aus.***
Selbstverständlich hat das protokollierte Gespräch nichts mit mir oder meinen Anverwandten zu tun, wie kommen Sie darauf?! Dennoch möchte ich die Gelegenheit nutzen, jede Verantwortung für eine mögliche kriminelle oder sonst wie verkorkste Laufbahn meiner Kinder weit von mir zu weisen. Der Einfluss von Autorinnen und ihren Hirngespinsten auf kindliche Seelen ist definitiv geringer, als man gemeinhin annehmen würde. Ich lese meinen Kindern selbstverständlich keine blutigen Obduktionsszenen zur guten Nacht vor und auch nichts über die Probleme der Heldin meines neuen Romans mit ihrer Mutter. Meine Kinder wissen zwar, dass meine Arbeit darin besteht, vor dem Computer zu sitzen und zu schreiben. (Als sie in der Kita „Wer will fleißige Handwerker sehen... Sie schreiben, sie schreiben...“ sangen, tippten die Kinder mit ihren Fingerchen auf einer imaginären Computertastatur herum. Ganz rührend.)
Sie wissen auch, dass ich Bücher schreibe, und fragen mich, wenn mein Cover auf dem Computermonitor zu sehen ist, wer denn mein Buch da rein getan hat. Mehr aber nicht. Und für meine Gene kann ich nichts.

*** Der Mutter wurde versichert, dass den Kindern nichts dergleichen beigebracht wurde. Achten Sie vorsichtshalber dennoch auf marodierende Kleinkinderbanden in Ihrer Umgebung! Wenn Sie darunter einen Jungen mit Schraubenzieher ausmachen, dann kontaktieren Sie mich bitte.