Liebe Leserin, Lieber Leser,

Wussten Sie, dass ich wie Franz Kafka schreibe? Ich bislang auch nicht. Aber jetzt habe einen Ausschnitt meines noch nicht veröffentlichten Romans in den FAZ-Online-Tester eingegeben und siehe da: Eindeutig Kafka. Eine andere Passage aus dem Manuskript ergab, dass mein Stil dem Kurt Tucholskys ähnele. Was sagt mir das, außer dass wirklich jeder Text im Test mit einem hochbegabten Autor oder hochbegabter Autorin verglichen werden kann? (Die Texter des Pizza-Lieferservice-Werbezettels aus meinem Briefkasten - Pizza-Mann fresh & hot for you Verlangen Sie unsere Hauptspeisekarte Alle Pizzen mit Tomatensauce, Käse und Oregano - schreiben übrigens wie die Trägerin des Deutschen Buchpreises 2010 Melinda Nadj Abonji.)
Ich schreibe nie gleich, weder wie Kafka, Tucholsky oder von mir aus auch Eugenie Marlitt (das wurde mir mal in einer Amazon-Rezension vorgeworfen).
Ich kopiere keinen Stil sondern bemühe mich, für jede Geschichte meine eigene Sprache zu finden und jedem Charakter eine eigene Stimme zu geben. Am Ende macht das einen Schriftsteller aus. Ansonsten wäre auch die Werbung von Pizza-Mann Literatur.
Ich verstehe ja, dass es dem Buchgeschäft hilft, Autoren einzuordnen, beispielsweise mit dem Vermerk in den Katalogen „für die Leser von Bestsellerautor XY“.
Zudem wurde in einem wissenschaftlichen Experiment von Paul Rozin und Carol Nemeroff festgestellt, dass Menschen, die wußten, dass in zwei Flaschen genau das gleiche Zuckerwasser steckte, trotzdem lieber aus der Flasche mit dem Etikett „Zucker“ als aus der mit der Aufschrift „Sodium Cyanide“ tranken.
Ich verstehe das alles und wehre mich dennoch gegen jedes Etikett. Eins kann ich Ihnen versichern: In meinen Romanen steckt immer dasselbe: Die Gedankenwelt von Mila Lippke.
Ich schreibe nicht wie. Ich schreibe. Wie gut, davon können Sie sich selbst überzeugen.


Testen Sie Ihren Schreibstil unter http://www.faz.net/f30/aktuell/WriteLike.aspx