Liebe Leserin, Lieber Leser,

diesen Mai ist es sechs Jahre her, dass meine erstgeborene Tochter als Säugling starb. Sechs Jahre, in denen ich viel Trauerarbeit geleistet habe, nicht zuletzt mit dem Schreiben meines Romans „Irgendwie mein Leben“. Mittlerweile habe ich die Erinnerungen an Gioia in mein Leben integrieren können. Einen nicht gerade unwesentlichen Anteil daran haben auch meine Kinder. So diskutierten sie jüngst am Frühstückstisch darüber, welchen Geburtstagskuchen wir für ihre große Schwester backen sollten. Die Kleine überlegte lange, dann sagte sie: „Die Gioia hat keine Zähne. Die ist noch ein Baby.“ „Doch“, widersprach der große Bruder. „Die hat Zähne. Die ist ein Schulkind.“ Lautstark protestierte die Kleine: „Nein, die hat keine Zähne mehr!“ Zwar standen mir Tränen in den Augen, aber es war auch so wohltuend zu sehen, wie normal die beiden mit dem Tod umgehen und mit welcher Selbstverständlichkeit die tote Schwester für sie zur Familie gehört.

„Selbst jetzt, mit dem Wissen um den Schmerz, den der Tod meiner Tochter mit sich gebracht hat, würde ich mich noch einmal für eine Schwangerschaft mit ihr entscheiden. Weil sie das Wunderbarste war, was mir jemals passiert ist, meine Finja.
Sie hat ihre Spuren in meinem Gedächtnis hinterlassen. Ich stelle mir Kinderfüße vor, die durch Sand laufen. Eine Welle kommt und spült die Abdrücke weg, dennoch ist das Kind dort entlanggegangen.“
Aus IRGENDWIE MEIN LEBEN