Liebe Leserin, Lieber Leser,

Neulich habe ich sie wieder gesehen, die Arbeitsplätze berühmter Kolleginnen und Kollegen. Auf den Doppelseiten einer Zeitschrift waren sie abgebildet: Einer schreibt am Riesenschreibtisch im coolen Fabrikloft, eine am stylishen Küchentresen mit Blick auf den hauseigenen Pool, ein anderer wiederum braucht nur durch eine Schiebetür in einer Glaswand zu schreiten, um im Bambuswäldchen lustzuwandeln.

In schwachen Stunden stelle ich mir meinen "berühmten" Arbeitsplatz vor:
Ein Dachzimmer in einem alten Bauernhaus. Das antike Tischchen mit zierlich gedrechselten Beinen ist der kreative Mittelpunkt des Raumes. Die Teekanne verströmt angenehmen Zimtduft. Recherchebücher sind sorgfältig aufgereiht. Konzentrierte Stille liegt über dem ganzen Szenario. Hin und wieder ertönt Vogelgezwitscher aus dem geöffneten Fenster, das den Blick in einen üppig begrünten Garten freigibt.

Zu gerne würde in einem solchen Stillleben schreiben. Aber mein Arbeitsalltag sieht ganz anders aus:
Der Laptop ist zwischen Stapel von Papieren, Büchern, Zeitschriften und Filzstiftzeichnungen eingeklemmt. Neben meinen Füßen quillt der Papierkorb über. Nicht selten stolpere ich über Plastikfiguren, Legosteine oder auch gerne mal Kartoffeln, wenn ich mich zu meinem Arbeitsplatz durchkämpfe. Hier trocknet die Familienwäsche vor sich hin und durch das Fenster ertönt das Quietschen der Straßenbahn in der Kurve.
Selbst in dem äußerst unwahrscheinlichen Fall, dass ich aufräume, versinkt kurze Zeit später alles wieder im gleichen Chaos.